Büros

Wer in einem Büro arbeitet, das auf Fensterlüftung angewiesen ist, kennt wahrscheinlich die Diskussionen darüber, wann und wie lang die Fenster geöffnet werden sollen. Vor allem an kalten Tagen leidet entweder die Luftqualität, weil zu wenig gelüftet wird, oder es ist beim Lüften zugig und ungemütlich im Raum.

Besonders deutlich wird das bei Besprechungen und in Büroräumen, die mit mehreren Personen besetzt sind. Der CO2-Gehalt steigt schnell, die Leistungsfähigkeit lässt nach und das Gähnen lässt nicht lang auf sich warten.

Aber auch wenn das Büro einige Stunden nicht genutzt war, sollten die Räume gut gelüftet werden, weil sich Schadstoffe in der Raumluft anreichern können, z.B. Emissionen aus der Einrichtung.

Das Praxis-Beispiel zeigt, wie eine bedarfsgeregelte Lüftung mit Wärmerückgewinnung zuverlässig und energieeffizient eine hohe Raumluftqualität sicherstellen kann.

Praxis-Beispiel

ebm Papst Ansicht Büro
Eine semizentrale Lüftungsanlage versorgt die modernen Büroräume im urbanharbor Ludwigsburg mit Frischluft. Der Volumenstrom wird so geregelt, dass die CO2-Konzentration unter 550 ppm bleibt. Alle Bilder: ebm-pabst

Stadtquartier mit intelligenter Lüftungsanlage

Die Hallen des Industriegebiets in der Ludwigsburger Weststadt beherbergten früher unter anderem Produktionslinien für Kühlschränke. Heute sind hier moderne Büroräume von Start-ups der Region untergebracht. Die Umsetzung des Haus-im-Haus-Konzepts in den bestehenden Hallen spart gegenüber einem vergleichbaren Neubau rund 75 % CO2. Zwischen Außen- und Innenfassade entsteht dabei ein Luftpolster, das als zusätzliche Dämmung dient.

Im Sommer 2021 ging die rund 10.000 m² große Halle 8 in Betrieb, die nun zwei miteinander verbundene, zwei- bzw. dreigeschossige Bürogebäude beherbergt. Für die Be- und Entlüftung ist eine semizentrale Lüftung mit zwei RLT-Anlagen und dezentralen Ventilatorboxen im Einsatz. Die Gebäude mit offenen Büroflächen und Besprechungsräumen wurden in 140 Zonen eingeteilt. 140 Zuluftboxen versorgen diese Zonen mit Zuluft, die im Winter beheizt und befeuchtet, im Sommer gekühlt und entfeuchtet wird. Das Abführen der Abluft übernehmen 140 Abluftboxen.

Sensoren liefern Daten an Building Connect Plattform

Mit Sensoren werden in den Bürogebäuden Daten erfasst. Eine cloudbasierte Echtzeitdaten-Plattform verarbeitet die Daten und gibt Befehle an die Ventilatoren weiter. Der Volumenstrom wird so geregelt, dass die CO2-Konzentration unter 550 ppm bleibt. Die Werte der TVOC (total volatile organic compounds – flüchtige organische Verbindungen) werden ebenfalls überwacht. Da sie hauptsächlich über Nacht ansteigen, werden die Gebäude ab einem Wert von 450 ppB vor Arbeitsbeginn mit Außenluft durchspült. Die Grenzwerte können bei Bedarf angepasst werden. Neben CO2– und TVOC-Werten messen die Sensoren Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Feinstaub. Im Hintergrund arbeitende Algorithmen lernen aus dem Nutzerverhalten, Gebäudemerkmalen und Umweltbedingungen und verbessern so laufend das System.

Alle Daten werden zukünftig zur sektorübergreifenden Steuerung an die urbanharbor Cloud geschickt. Neben der effizienten Luft- und Gebäudetechnik sollen Schnellladesäulen für E-Autos, Wärmepumpen sowie eine Photovoltaikanlage auf dem Dach dazu beitragen, urbanharbor bis 2030 zum ersten klimaneutralen Stadtquartier Europas zu machen.

In einem Video wird das Konzept des CO2-neutralen Stadtquartiers und der semizentralen Lüftung vorgestellt.

 

Abbildung urbanhabor Sensor
Zertifizierte Sensoren messen permanent die Luftqualität und schicken ihre Daten in die cloudbasierte Building Connect Plattform von ebm-papst.
Darstellung der Ventilatorensteuerung mit Hilfe der Building-Connect-Plattform
In der Cloud werden die Daten verarbeitet und zur Steuerung der Ventilatoren genutzt. Alle Daten lassen sich auf der Building-Connect-Plattform anzeigen.

Projekt im Überblick

Raumlufttechnische Anlage

Regelwerke

Downloads

Der Flyer enthält Zahlen und Fakten zur Luftqualität in Gebäuden und zu den Auswirkungen auf unsere Gesundheit. Außerdem informiert er kurz und knapp darüber, warum Fensterlüftung nicht die ideale Lösung ist. Februar 2025

Darstellung geöffnetem Flyer
Abbildung Status Report

In vielen wissenschaftlichen Veröffentlichungen wird eine relative Luftfeuchte zwischen 40 und 60 % als optimaler Bereich für den Menschen genannt. Wissenschaftler der RWTH Aachen haben für eine Literaturstudie unterschiedliche Gesichtspunkte betrachtet und gegeneinander abgewogen. Sie zeigt, dass sich gesundheitliche Beeinträchtigungen der Augen, Haut und Atemwege deutlich verringern können, wenn mittlere relative Luftfeuchten eingehalten werden. 2021