Übertragungswege – Kontakt, Tröpfchen und Aerosole
Bei der Ausbreitung viraler Infektionen der Atemwege unterscheidet man zwischen Luftübertragung sowie direkter und indirekter Kontaktübertragung.
Bei der direkten Kontaktübertragung wird ein Virus durch direkten Haut- und Schleimhautkontakt übertragen, ohne dass es ein anderes Medium als Transportweg nutzt. Wenn zum Beispiel ein Grippe-Infizierter in die Hand niest, haften die Viren an der Handfläche. Gibt der Erkrankte einem anderen Menschen die Hand, der sich anschließend ins Gesicht fasst, können die Viren über Mund, Nase, Augen in die Schleimhäute eindringen. Diese als Schmierinfektion bezeichnete Übertragung kann auch indirekt erfolgen, wenn sich Erreger beispielsweise an gemeinsam genutzten Türgriffen absetzen und nach der Berührung kontaminierter Oberflächen über die Hände mit den Schleimhäuten in Kontakt gebracht werden.
Häufigster Ansteckungsweg ist die Luftübertragung im Nahbereich über Tröpfchen und in größerer Entfernung über Aerosole. Viren eines Infizierten werden von einem anderen Menschen eingeatmet und über die Schleimhäute der oberen Luftwege aufgenommen. Je nach Größe der Partikel spricht man von einer Tröpfchen- oder Aerosolübertragung. Beim Atmen, Husten, Sprechen oder Niesen gelangen Krankheitserreger, die im Atemtrakt siedeln, durch Partikel in unterschiedlicher Größe und Anzahl an die Luft. Von Tröpfchen spricht man in der Medizin bei einem Durchmesser von mehr als 5 μm (Mikrometer). Diese für die Tröpfcheninfektionen relevanten größeren Partikel schweben nur kurz in der Luft und sinken nach wenigen Sekunden auf den Boden oder setzen sich auf anderen Flächen ab. Tröpfchen werden hauptsächlich bis zu einer Distanz von ca. 1,5 bis 2 m übertragen. Allerdings können Viren wie beschrieben auch indirekt durch Schmierinfektion übertragen werden.
Von einer Luftübertragung spricht man bei der sogenannten Aerosolübertragung. Kleinere Flüssigkeitspartikel mit einer Größe von weniger als 5 μm werden als Aerosole bezeichnet. Teilweise bestehen diese Partikel nur noch aus einem Tröpfchenkern und festen Rückständen. Sie sind so klein, dass sie stundenlang in der Raumluft schweben und sich im gesamten Raum verbreiten können. Dadurch besteht das Risiko, dass sich Personen infizieren, weil sie virenbeladene Aerosole einatmen, die eine andere Person im Raum abgegeben hat – selbst wenn die Menschen großen Abstand voneinander halten.